Foto: Paderborn-Lippstadt Airport

Gutachten zum Flughafen Paderborn/Lippstadt

Nutzen vielfach höher als Finanzbedarf

Der Flughafen Paderborn/Lippstadt hat eine hohe regionalwirtschaftliche Bedeutung für große Teile Ostwestfalen-Lippes und Südwestfalens – zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die von den drei Industrie- und Handelskammern (IHK) Ostwestfalen zu Bielefeld, Lippe zu Detmold, Arnsberg, Hellweg – Sauerland, und der Flughafen Paderborn/Lippstadt GmbH in Auftrag gegeben und am 24. Mai 2019 vorgestellt wurde. Für das Gutachten mit dem Titel „Wirtschaftliche Bedeutung des Flughafens Paderborn/Lippstadt für die Regionen Ostwestfalen-Lippe und Südwestfalen“ hat die HPC Hamburg Port Consulting GmbH gemeinsam mit den drei IHKs Unternehmen befragt, die ihren Sitz in den Gebietskörperschaften haben, die Gesellschafter des Flughafens sind. Insgesamt 693 Unternehmen mit 113.000 Mitarbeitern aus den Kreisen Paderborn, Gütersloh, Lippe, Höxter, Soest, dem Hochsauerlandkreis und der Stadt Bielefeld haben teilgenommen. 454 dieser Unternehmen mit 92.000 Mitarbeitern nutzen den Flughafen regelmäßig. Dabei erfüllt der Flughafen mehrere Verkehrsfunktionen, heißt es in der Studie. Bis zu 200 Starts- und Landungen im Linien- und Ferienflugverkehr pro Woche gebe es in Paderborn/Lippstadt. Insgesamt sechs tägliche Hin- und Rückflüge zu den Drehkreuzen in Frankfurt und München würden angeboten. Außerdem käme der allgemeine Geschäftsreiseflugverkehr, der Werkverkehr, die gewerbliche Pilotenausbildung hinzu, auch Luftsportvereine nutzen den Airport. Mit täglich rund 115 Starts und Landungen sei die Anzahl der Flugbewegungen relativ hoch, 2018 waren es insgesamt über 42.000. „In der Rangreihung deutscher Flughäfen nach Anzahl der Flugbewegungen liegt Paderborn direkt hinter Hannover und Nürnberg und vor allen anderen kleinen und mittleren Flughäfen“, sagte Gutachter Dr. Olaf Zeike.

Neben den direkt am Flughafenbetrieb beteiligten Unternehmen seien am Standort zudem eine Vielzahl an Betrieben unterschiedlicher Branchen tätig. Die Studie geht von über 1.600 am Flughafen tätigen Personen aus. Deren Bruttolohn- und Gehaltssumme wird auf rund 57,4 Millionen Euro geschätzt, die Lohnsteuereinnahmen der Finanzbehörden auf rund neun Millionen Euro. Zusätzlich zu den direkten kämen noch indirekte und induzierte Effekt hinzu. Der Gesamteffekt auf die Beschäftigung in der Flughafenregion liege bei 2.016 Personen. Die regionale Bruttowertschöpfung betrage rund 132 Millionen Euro pro Jahr.

„Unsere exportstarke Wirtschaft, unsere international vernetzen Universitäten brauchen die schnelle Anbindung an das internationale Flugnetz. Das Gutachten belegt diesen Zusammenhang fachkundig. Unser Airport sichert Arbeit und Wohlstand. Dafür stehen wir gemeinsam in Süd- und Ostwestfalen-Lippe“, kommentierte Landrat Manfred Müller in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft die Studie. Flughafenchef Dr. Marc Cezanne unterstrich: „Es wird oft über die Kosten des Flughafens Paderborn/Lippstadt diskutiert, aber zu wenig über dessen Wert für die Region gesprochen. Das Gutachten legt eindrucksvoll dar, dass dessen wirtschaftlicher Nutzen für die gesamte Region ein Mehrfaches der finanziellen Unterstützung durch die Eigentümer beträgt. Dies sollte uns ein weiterer Ansporn sein, auf Bundes- und Landesebene für eine Beseitigung der Wettbewerbsnachteile zu kämpfen und dadurch die finanziellen Belastungen der Anteilseigner für die Sicherstellung dieser wichtigen Infrastruktur deutlich zu reduzieren.“

Für die IHKs betonte Thomas Frye Geschäftsbereichsleiter Standort der IHK Arnsberg,  die Bedeutung des Flughafens aus Unternehmenssicht: „In Ostwestfalen-Lippe und Südwestfalen sind zahlreiche international aufgestellte Unternehmen ansässig, häufig mit einer im Weltmarkt führenden Stellung. Für diese bietet Paderborn/Lippstadt ins-besondere mit seinen Linien-Anbindungen nach München und Frankfurt einen direkten Zugang zum internationalen Flugverkehr.“ Dieser Standortvorteil gelte aber nicht nur für die großen und bekannten Unternehmen. So ergab eine begleitende Unternehmensbefragung der IHKs, dass gerade auch mittelständische Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen und aus allen Teilregionen internationale und nationale Geschäftsreisen über den heimischen Airport abwickelten.

Die regionalwirtschaftliche Analyse habe gezeigt, dass der Flughafen Paderborn/Lippstadt ein wichtiger Bestandteil der Verkehrsinfrastruktur von regionsübergreifender Bedeutung sei. „Investitionen in Aufbau und Erhalt sowie die Kosten für den Betrieb der Infrastruktur insgesamt liegen in der Verantwortung der öffentlichen Hand. Die finanzielle Unterstützung des Airports durch die sechs Landkreise und die Stadt Bielefeld ist daher zum Erhalt dieser wichtigen Infrastruktur unerlässlich“, so Frye weiter.

Die Luftverkehrspolitik müsse zudem dafür Sorge tragen, dass gerade kleineren Airports wie Paderborn keine weiteren kostensteigernden Lasten auferlegt, sondern Wettbewerbsverzerrungen vermieden würden. Bei 16 der 35 deutschen Verkehrsflughäfen trage der Bund in weiten Teilen die Kosten der Flugsicherung, nicht so am Flughafen Paderborn/Lippstadt. Dies entspreche einem jährlichen Aufwand von rund 1,5 Millionen Euro. „Die Wirtschaft erwartet, dass sich das Land NRW gegenüber dem Bund dafür einsetzt, dass dieser die Kosten der Flugsicherung an allen Flughäfen in gleicher Weise trägt, wie im Koalitionsvertrag 2018 der Berliner Regierungsfraktionen vereinbart“, erläuterte Frye. Aus Sicht der Wirtschaft sei es außerdem erforderlich, die Anbindung an die Drehkreuze München und Frankfurt durch zusätzliche Verbindungen zu stärken sowie Flugverbindungen zu einem weiteren Drehkreuz aufzunehmen. „Der Flughafen Paderborn/Lippstadt muss zukunftsfähig aufgestellt werden“, fasste er die IHK-Forderungen zusammen.

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